Blogger unter sich: Warum wir bei der Wiedergabe fremder Aussagen nicht haften müssen

Facebook
Twitter
XING
LinkedIn
WhatsApp
Pocket
Email

Seit fast sieben Jahren darf ich mich stolz als Blogger bezeichnen und wenn ich in dieser langen Zeit eines gelernt habe: Das Bloggerleben ist nicht immer leicht! Da entdeckt das findige Bloggerauge eine heiße virale Debatte im World Wide Web, doch die Informationen basieren auf den Aussagen einer unbekannten Person. Was also tun? Auf den Wahrheitsgehalt der fremden Quelle vertrauen und das Thema auf dem eigenen Blog aufgreifen? Oder besser bleiben lassen? Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat jetzt einen Beschluss erlassen, der diese Fragen beantwortet.

Blogartikel mit fremden Aussagen? Dann lieber aufpassen!
Blogartikel mit fremden Aussagen? Dann lieber aufpassen!

Deshalb geht’s auf meinem persönlichen Blog heute um ein aktuelles Urteil, das uns Bloggern weniger Haftungsrisiken verschafft.

Mehr Freiheit für die Blogger-Community

So unverständlich manche Rechtstexte auch sein mögen, in diesem Fall habe ich mich gerne durch das Juristendeutsch gekämpft, und es lohnt sich! Denn ab sofort gilt: Wer zukünftig beim Bloggen (möglicherweise falsche) Behauptungen von Dritten wiedergibt und in sein digitales Tagebuch aka Blog einbindet, muss nicht haften (OLG Frankfurt a. M. Beschluss v. 13.10.2016 – Az.: 16 W 57/16). Doch keine Angst, das ungeprüfte Weiterplappern von Falschaussagen ist weiterhin rechtlich angreifbar.

Wer sich klar distanziert, darf auch fremde Aussagen einbauen!

Konkret stellt das Gericht fest:

„Nicht um eine Äußerung des Autors handelt es sich indes, wenn das Verbreiten „schlicht Teil einer Dokumentation des Meinungsstands ist, in welcher […] Äußerungen und Stellungnahmen verschiedener Seiten zusammen- und gegenübergestellt werden.“ (Beschl. v. 13.10.2016, Az.: 16 W 57/16)

Deshalb Blogger, aufgepasst, dieser Beschluss gilt nur dann, wenn ihr euch beim Wiedergeben von Behauptungen eines Dritten eindeutig von diesen distanziert. Für eure zukünftige Blogger-Karriere bedeutet das: Stellt sich eine Behauptung als falsch heraus, ihr macht der Leserschaft jedoch eindeutig klar, dass die Aussage nicht aus eurer Feder beziehungsweise von eurer Tastatur stammt, müsst ihr laut des Beschlusses auch nicht dafür haften!

Im Großen und Ganzen hat diese Einschränkung also trotzdem etwas positives: Egal, über wen oder was ihr schreibt und egal, welche News oder Fakten ihr unter die Lupe nehmt – eurer künstlerischen Blogger-Freiheit sind dann keine Grenzen gesetzt, wenn aus eurem Beitrag offensichtlich hervorgeht, dass ihr euch auf Person X oder Quelle Y bezieht.

Kritischer Blog-Artikel? Immer schön objektiv bleiben! Dem Beschluss vorangegangen war der Fall eines Bloggers, der einen kritischen Beitrag über den späteren Kläger geschrieben und auch veröffentlicht hatte. Das Problem dabei war, dass seine Kritik teilweise auf Behauptungen aufgebaut war, die von einer dritten Person stammten. Blöd nur, dass genau diese Behauptungen nicht der Wahrheit entsprachen und sich der Kläger somit in seinen Rechten verletzt fühlte.

Weil der Beklagte jedoch nach außen hin eindeutig dargestellt hat, dass es sich bei den Behauptungen um Aussagen eines Dritten handelt, stimmte das Gericht dem Kläger nicht zu. Entscheidend hierbei war, dass der Beklagte mit seinen kritischen Äußerungen lediglich den Sachverhalt objektiv dargestellt hat und eben nicht seine eigene Sichtweise eingebracht hat. In der Praxis bedeutet das für euch: Verfasst eure Artikel objektiv und macht die (möglicherweise falschen) Aussagen anderer nicht zu den eigenen – dann habt ihr diesbezüglich keine Konsequenzen zu befürchten!

Wer doppelt prüfet, tappt nicht in die Falsch-Aussagen-Falle

Wem das alles nun zu komplex oder kompliziert klingt, dem sei noch einmal zusammenfassend gesagt sein: Die Meinung und Aussagen anderer Personen im eigenen Blogbeitrag aufnehmen, obwohl nicht nachgeprüft wurde, ob sie der Wahrheit entsprechen? Ja, aber nur dann, wenn klar wird, dass das nicht eure Behauptungen sind, sondern ihr euch mit den Aussagen eines anderen auseinandersetzt!

In solchen Fällen also am besten auf Nummer sicher gehen und doppelt und dreifach prüfen, ob die oben genannten Kriterien eingehalten wurden – dann kann auch nichts schief gehen und es muss vor lauter Haftungsrisiken nicht gebangt oder gezittert werden. Deshalb liebe Blogger-Verbündete, lasst uns weiter fleißig in die Tasten hauen, denn ohne unsere unzähligen Blogs wäre das World Wide Web bei Weitem keine so vielfältige, bunte Landschaft 🙂

Weitere interessante Artikel:

Kategorien

Über Ralph Günther

RGPortrait eckig final

Schnell, einfach und komplett online: So stellte ich mir als Versicherungsmakler den Abschluss einer Berufshaftpflicht für Freelancer und Selbständige vor.  Da kein Anbieter eine ansprechende Lösung hatte, setzte ich meine Idee 2008 selbst um und gründete die exali AG (damals exali GmbH). Über meine persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse schreibe ich auf dem RGBlog.

Über die exali AG

exali logo

Die exali AG mit Sitz in Augsburg ist der Spezialist für Berufshaftpflicht-versicherungen für Freelancer und Selbständige. Ein intuitiver Online-Rechner ermöglicht den Abschluss einer Berufshaftpflicht in unter 10 Minuten. Bei exali treiben wir die Digitalisierung der Versicherungsbranche jeden Tag ein weiteres Stück voran.

Facebook
Twitter
XING
LinkedIn
WhatsApp
Pocket
Email

Alles rund um Chancen und Risiken im Business auf exali.de:

shutterstock zugeschnittenNews
Die 5 häufigsten Rechtsverletzungen und wie Sie diese vermeiden
Keine Rechtsverletzung, keine Abmahnung: Wir verraten, welche Rechtsverletzungen in der Praxis am häufigsten vorkommen und wie Sie diese vermeiden… weiterlesen
michael geiger JJPqavJBy k unsplash
Ransomware: Ein Schadenfall über einen Trojaner und ungenügende Absicherung
Hier ging wirklich alles schief: Nach einer Cyberattacke machte sich ein IT-Dienstleister daran, die IT-Systeme einer Consultingfirma wiederherzustellen. Menschliches Versagen und veraltete Technik machten… weiterlesen
steven binotto hEPKA KRk unsplash
Markenrechtsverletzung: Ein IT-Dienstleister vergisst Markenrecherche
Eine umfangreiche Markenrecherche gehört dazu, wenn man eine neue Marke anmelden will. In diesem echten Schadenfall „vergaßen“ diese jedoch sowohl der IT-Dienstleister als auch seine… weiterlesen
Substack Interview Sascha Pallenberg Artikelbild
Substack: Blog, Podcast und Newsletter über eine Plattform
Sascha Pallenberg gehört zu den bekanntesten Tech-Bloggern im deutschsprachigen Raum. Im Interview sprach er mit uns über sein neues Projekt „Metacheles“ und die Vorteile der Plattform… weiterlesen

Schnell, einfach und komplett online: So stellte ich mir als Versicherungsmakler den Abschluss einer Berufshaftpflicht für Freelancer und Selbständige vor.  Da kein Anbieter eine ansprechende Lösung hatte, setzte ich meine Idee 2008 selbst um und gründete die exali AG (damals exali GmbH). Über meine persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse schreibe ich auf dem RGBlog.
RGPortrait eckig final

Schnell, einfach und komplett online: So stellte ich mir als Versicherungsmakler den Abschluss einer Berufshaftpflicht für Freelancer und Selbständige vor.  Da kein Anbieter eine ansprechende Lösung hatte, setzte ich meine Idee 2008 selbst um und gründete die exali AG (damals exali GmbH). Über meine persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse schreibe ich auf dem RGBlog.

LogoBlog

Die exali AG mit Sitz in Augsburg ist der Spezialist für Berufshaftpflicht-versicherungen für Freelancer und Selbständige. Ein intuitiver Online-Rechner ermöglicht den Abschluss einer Berufshaftpflicht in unter 10 Minuten. Bei exali treiben wir die Digitalisierung der Versicherungsbranche jeden Tag ein weiteres Stück voran.