Wenn der Pitch zum volkswirtschaftlichen Desaster wird: Der Fall Deichmann – und eine erschreckende Rechnung

Facebook
Twitter
XING
LinkedIn
WhatsApp
Pocket
Email

Die Gemüter der Kommunikationsbranche kochen hoch. Ein neues Internetportal verspricht, gegen unfaire Pitches und unseriöse Ausschreibungen zu kämpfen. Wer schlechte Erfahrungen gemacht hat, kann das ausschreibende Unternehmen an den digitalen Pranger stellen. Man selbst bleibt anonym. Vergangene Woche war die Seite pitchblog.de bereits Thema in meinem Blog, was zu einer Vielzahl an Reaktionen geführt hat. Unter Anderem hat sich Marvin Schauer, Geschäftsführer der befreundeten „Agentur 22“, bei mir gemeldet und einen Fall aus der Praxis geschildert.

Wenn der Pitch zum volkswirtschaftlichen Desaster wird: Der Fall Deichmann – und eine erschreckende Rechnung
Marvin Schauer, Geschäftsführer der Agentur 22, berichtet über eine fragwürdige Ausschreibung von Deichmann und wie Agenturen darunter leiden.

Die schwierige Situation der Kommunikationsbranche und wie beispielsweise der Konzern Deichmann durch einen fragwürdigen Pitch-Aufruf hunderttausende Euro gespart hat, ist diese Woche Thema in seinem Gastartikel auf meinem Blog.

Deichmann und das 100-jährige Firmenjubiläum

Kurz vorweg: Vergangene Woche habe ich Euch bereits die Idee von pitchblog.de vorgestellt. Und wenn man liest, was mir Marvin Schauer von der „Agentur 22“ nach der Veröffentlichung zum Thema geschrieben hat, lässt sich nachvollziehen, weshalb das Portal ins Leben gerufen wurde:

„Es ist jetzt rund zwei Jahre her, dass die Schuhhandelskette Deichmann für große Aufregung in der Werbebranche gesorgt hat. Grund war, dass Deichmann 20 Agenturen dazu einlud, Ideen zum 100-jährigen Firmenjubiläum zu präsentieren.

Grundsätzlich, so könnte man meinen, ist die Idee ja nicht schlecht – zumindest auf Unternehmerseite. 20 Agenturen, die viele Ideen konzipieren und präsentieren. Bei so viel Output muss schließlich die richtige Idee dabei sein.

Wenn man nun aber rein analytisch an die Sache rangeht, dann stellt man schnell fest, welch volkswirtschaftliches Desaster ein solcher Pitch ist: 20 Agenturen á durchschnittlich 6 Personen die am Konzept arbeiten, entspricht gesamt 120 Kreative, die nicht nur viel Output erzeugen, sondern natürlich auch viele Ressourcen binden und letztlich immense Kosten verursachen.

Für die Agenturen ein volkswirtschaftlicher Schaden von 550.000 Euro

120 Menschen, die Ideen für ein Unternehmen liefern, dass aufgrund seines Namens und seiner Marktstellung auf den ersten Blick gesehen einen tollen Etat darstellt. Aber das ist so nicht. Weder darf man nach dem schriftlichen Briefing genauere Fragen stellen, noch ist sonst irgendein Dialog vorgesehen gewesen. Und als Pitchhonorar gab es je Agentur 2.000Euro Präsentationshonorar. Die Siegeragentur erhält weitere 10.000Euro bei gleichzeitiger und vollständiger Abtretung aller Nutzungsrechte.

Fazit: 19 Agenturen arbeiten also je für 2.000Euro, eine Agentur für 12.000Euro. Zusammen macht das 50.000Euro Honorar, die Deichmann an 20 Agenturen auszahlt. 120 Menschen in diesen 20 Agenturen, die diese Ideen entwickeln, kosten hingegen bei durchschnittlich 500Euro Tagessatz pro Person und durchschnittlich 10 Tage Entwicklungszeit der Ideen jedoch gesamt 600.000Euro.

Wir sprechen also von einem volkswirtschaftlichen Schaden von 550.000Euro.

Nein, solche Praktiken sind weder seriös noch von Erfolg gekrönt – außer für den Auftraggeber selber. Doch letztlich hat auch der keinen Vorteil, wenn er sich bei mindestens 20 Ideen (vermutlich sind es mehr, da jede Agentur auch Alternativen aufzeigen möchte, um sicher zu gehen) für eine Idee entscheiden soll. Und das alles auf Basis eines schwammigen Briefings getreu dem Motto „shit in – shit out“.

Gerne machen wir Kommunikationsagenturen an Pitches mit, die seriös sind. Unser beschriebenes Beispiel entspricht dem leider nicht. Und realistisch gesehen sind Beispiele wie vorgenanntes öfters zu finden, als vernünftige Präsentationseinladungen im Wettbewerb auf Augenhöhe!

Quelle: Wir beziehen uns auf einen Artikel der W&V aus dem Jahr 2012. Für die Vollständigkeit und Richtigkeit der angegebenen Daten können wir keine Gewähr übernehmen.“

Über den Autor:
Marvin Schauer ist, zusammen mit Jan Imhoff, Geschäftsführer der Agentur 22 in München. Der Diplom Kommunikationswirt konnte bei CNN Deutschland, München TV, der Münchener PR-Agentur Profil PR und der Werbeagentur Combera viel Erfahrung in der Kommunikationsbranche sammeln, bevor er 1999 Geschäftsführer der Werbeagentur Agentur 22 wurde.

Weiterführende Informationen:

Kategorien

Über Ralph Günther

RGPortrait eckig final

Schnell, einfach und komplett online: So stellte ich mir als Versicherungsmakler den Abschluss einer Berufshaftpflicht für Freelancer und Selbständige vor.  Da kein Anbieter eine ansprechende Lösung hatte, setzte ich meine Idee 2008 selbst um und gründete die exali AG (damals exali GmbH). Über meine persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse schreibe ich auf dem RGBlog.

Über die exali AG

exali logo

Die exali AG mit Sitz in Augsburg ist der Spezialist für Berufshaftpflicht-versicherungen für Freelancer und Selbständige. Ein intuitiver Online-Rechner ermöglicht den Abschluss einer Berufshaftpflicht in unter 10 Minuten. Bei exali treiben wir die Digitalisierung der Versicherungsbranche jeden Tag ein weiteres Stück voran.

Facebook
Twitter
XING
LinkedIn
WhatsApp
Pocket
Email

Alles rund um Chancen und Risiken im Business auf exali.de:

dsgvo gefe
DSGVO-Gesetze im Internet: Die wichtigsten Urteile und Risiken
Welche Regelungen gelten beim Datentransfer in Drittländer? Was muss eine DSGVO-konforme Webseite enthalten? Was gibt es hinsichtlich der DSGVO bei Newsletter oder Social Media zu beachten? Diese… weiterlesen
email gecdff
Newsletter-Abmeldung verhindern: So halten Sie Ihre Abonnent:innen
Newsletter-Abmeldungen verhindern: Wir zeigen Ihnen die fünf häufigsten Gründe, aus denen sich Abonnent:innen vom Newsletter abmelden und wie Sie sie doch noch umstimmen können. weiterlesen
cybersecurity gcdfffef
Cybercrime: Business-Risiko Cyber-Erpressung
Laut einer aktuellen Studie des BSI bleibt Ransomware weiterhin die Top-Bedrohung für Unternehmen. Wie Sie Ihr Business schützen können, haben wir in diesem Artikel für Sie zusammengefasst: weiterlesen
wordpress
Content-Kooperationen: Chancen und Risiken für Ihr Business
Eine Content-Kooperation bietet viele Vorteile: Mehr Reichweite, mehr Traffic, Verbesserung des SEO-Rankings und möglicherweise auch neue Kundschaft. Wir verraten Ihnen, wie eine Content-Kooperation… weiterlesen

Schnell, einfach und komplett online: So stellte ich mir als Versicherungsmakler den Abschluss einer Berufshaftpflicht für Freelancer und Selbständige vor.  Da kein Anbieter eine ansprechende Lösung hatte, setzte ich meine Idee 2008 selbst um und gründete die exali AG (damals exali GmbH). Über meine persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse schreibe ich auf dem RGBlog.
RGPortrait eckig final

Schnell, einfach und komplett online: So stellte ich mir als Versicherungsmakler den Abschluss einer Berufshaftpflicht für Freelancer und Selbständige vor.  Da kein Anbieter eine ansprechende Lösung hatte, setzte ich meine Idee 2008 selbst um und gründete die exali AG (damals exali GmbH). Über meine persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse schreibe ich auf dem RGBlog.

LogoBlog

Die exali AG mit Sitz in Augsburg ist der Spezialist für Berufshaftpflicht-versicherungen für Freelancer und Selbständige. Ein intuitiver Online-Rechner ermöglicht den Abschluss einer Berufshaftpflicht in unter 10 Minuten. Bei exali treiben wir die Digitalisierung der Versicherungsbranche jeden Tag ein weiteres Stück voran.